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1. Die erste urkundliche Erwähnung

Als ich vor gut einem Jahr dienstlich in Fulda zu tun hatte, nahm ich mir die Zeit, um in der Bibliothek des dortigen Klosters ein wenig nach den vielfältigen Beziehungen dieser schon im Jahre 744 von einem Schüler des hl. Bonifatius gegründeten Einrichtung zu unserer fränkischen Heimat zu "schnüffeln". Und schon war ich auf dem glatten historischen Parkett ausgerutscht; denn das eigentlicher Kloster Fulda ist bereits der Säkularisation zum Opfer gefallen und ich mußte mit einem freundlichen Mönch des heutigen Franziskanerklosters Vorlieb nehmen. Doch er kannte sich aus, zeigte mir das alte Urkundenbuch des Klosters Fulda und wir fanden sehr schnell die erste Ergersheim betreffende Urkunde. Vor mir gab es allerdings auch schon Schlauere; denn die Urkunde ist bereits in der Ergersheimer Dorfchronik verzeichnet:

Auszug aus dem Urkundenbuch des Klosters Fulda:

(1. Band, bearbeitet von Edmund E. Stengel, 2. Teil, Zeit des Abtes Baugulf)

417 Grawolf und seine Gattin Deura übertragen Liegenschaften zu Buchheim und Ergersheim (780 – 802).

Grawolf et uxor eius Deura traditerunt sancto Benifacio predia suo in villa Bouchheim et Argisesheim Cum familiis et substantiis eorum.

Cod. Eberh. I f. 144 Cartular-Ausz. (E) = Cap. III. f. 95 (e). Schannat Trad. 282 cap. I nr. 21 – Dronke Trad. 17 cap. 4 nr. 33.


Die Einreihung der Urkunde wird dadurch bestimmt, daß sie im Ostfranken - Cartular zwischen den sicher baugulfischen Urkunden 223 und 419 stehen.

Das Datum der Urkunde ist unbestimmt (780 – 802), mit Sicherheit aber läßt sich sagen, daß sie in dieser Zeit verfaßt wurde. Die Einreihung der Urkunde wird nämlich dadurch bestimmt, daß sie im Ostfranken-Cartular zwischen den baugulfischen Urkunden 223 und 419 steht, die genau in diesen Zeitraum gehören. Baugulf war der damalige Abt des Klosters Fulda.

Eine Verwechslung mit einem anderen Ergersheim scheint ausgeschlossen, weil auch das Nachbardorf Buchheim mit aufgeführt ist und auch in späteren Urkunden bei Grundstücksgeschäften die "Partnerschaft " mit Buchheim auffällt.

Gewagt, aber reizvoll ist der Sprung in die jüngste Geschichte mit der Frage, warum Buchheim nicht auch bei der Gebietsreform eine "Ehe" mit Ergersheim eingegangen ist, wenn schon so früh so gute Beziehungen bestanden haben? Ich kann mich jedoch nur an sehr zähe Auseinandersetzungen im Gemeinderat von Buchheim erinnern, als das Hauptargument des Landratsamtes für eine einheitliche ländlichen Struktur zweimal zu einem Eingemeindungsbeschluß für Ergersheim führte, den der damalige Bürgermeister mit der unrealistischen Hoffnung auf Selbständigkeit immer wieder revidieren konnte, mit der Folge der Eingemeindung in die Stadt Burgbernheim. Aber auch das ist jetzt schon Geschichte!

Die 1200-Jahrfeier der Gemeinde Ergersheim ist damit zwar nicht auf das Jahr genau fixiert, aber sicher historisch legitimiert und findet eher zu spät als zu früh statt. Im Jahre 800 war übrigens auch die Kaiserkrönung Karls des Großen, von dem noch die Rede sein wird, weil er unsere fränkische Heimat besonders stark geprägt hat. Wie ich meine, eine wichtige und würdige Anknüpfung für diese Jubiläumsfeier.

Ein Hinweis sei mir dazu noch erlaubt: Der Name der Stadt „Norenberc“ erscheint erstmals in einer kaiserlichen Urkunde aus dem Jahre 1050 und selbst der Nachbar Windsheim schafft nur in etwa die Gleichzeitigkeit mit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 791!

Nicht vergessen werden dürfen die Ortsteile der Gemeinde Ergersheim:
Seenheim erscheint erstmals in einer Urkunde des Klosters Lorsch, die zwischen den Jahren 830 – 850 datiert ist („in Seheim sunt hube XV“). Ulricus de Erbresteshofen (Ermetzhofen) zeugte ca. 1190 – 1213 für den Abt Gottfried von Münster-Schwarzach.

Neuherberg wird in einer Rothenburger Urkunde aus dem Jahre 1280 erstmals benannt (Achtbuch der Stadt Rothenburg: „Geächtet wird auf Klage des Fridericus de Windsheim Gerhartus de Elvershoven“).