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3. Von Tacitus über Marx und Engels bis heute

Der römische Schriftsteller Tacitus (55 – 116 n.Chr.) beschreibt diese unsere Vorfahren als erster in seiner "Germania":

 

"Auf Vorzeichen und Loswerfen achten die Germanen ganz be-sonders. Land, welches für den Ackerbau ausersehen ist, wird von der Gesamtheit zum allgemeinen Nutzen in Anspruch genommen. Sie verteilen es unter sich nach Verdienst und Würde. Im Anbau des Feldes wechseln sie jährlich und es bleibt noch Land brach liegen. Geselligkeit und Gastfreundschaft pflegt kein Volk so aus-giebig."

 

Dies ist das klassische Zeugnis für das germanische Bodenrecht! Doch es entwickelten sich hieraus ganz verschiedene Theorien. In der Rechtsgeschichte wurde zunächst die Auffassung vertreten, daß Haus und Hof umfriedeter Besitz der einzelnen Familien war, die Nutzung der Felder aber jährlich neu zugeteilt wurde. Man sprach von der urgermanischen Markgenossenschaft und fast selbstverständlich wurde sie von Marx und Engels als die Wurzel des Agrarkommunismus bezeichnet: Das Gemeineigentum der freien Germanen am nutzbaren Land! Daß sich auch die National-sozialisten hier ihre geistigen Anleihen holten, mutet fast wie ein Treppenwitz der Weltgeschichte an.

 

Die Wirtschaftsgeschichte hat jedoch nachgewiesen, daß die Markgenossenschaften erst im Mittelalter entstanden sind, vor al-lem aber bezogen auf die Allmendenutzung der unverteilten Na-turschätze wie Wald, Weide, Wasser Steinbrüche usw. Mit zuneh-mender Siedlungsdichte verstärkte sich der Kampf um den Besitz und es war ein Entwicklungsprozeß zu einer dauerhafteren Ord-nung, wobei auch die Grundherrn oft ein wichtiges Wort mitzureden hatten.

 

Dieser Entwicklungsprozeß hat sich bis in die jüngste Zeit fortge-setzt. Man denke z.B. daran, daß sich die politische Gemeinde und ihr Eigentum erst im Laufe des vorigen Jahrhunderts entwickelt hat und es vor und bei Anlegung der Grundbücher in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts heftige Auseinandersetzungen über das private und gemeindliche Eigentum gegeben hat. In einem Fall hat man sogar einen Justizassessor mit einem Schinken besto-chen, damit er die Gemeinde nicht als Eigentümerin ins Grund-buch einträgt. Durchsetzungsvermögen, gepaart mit Schlitzohrigkeit, haben es manchmal geschafft (z.B. auch in Ermetzhofen), daß aus der alten Allmendenutzung im vorigen Jahrhundert ein privater Körperschaftswald wurde und es bis heute blieb, während in vielen anderen Fällen das Eigentum der Gemeinde lediglich Gemeindenutzungsrechte zuließ, die bei einer Ablösung der Ge-meinde oft 60 % des Waldes als unbelastetes Eigentum bescherte und den Rechtlern entsprechend weniger (ausführlicher zu alledem: Hillermeier, Die Freimarkung Osing, 1994, S. 23, 38 ff.): Damit will ich aber nicht gesagt haben, daß die Ermetzhöfer gegenüber den Ergersheimern die größeren Schlitzohren waren.