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6. Schenkungen für eine bessere Welt?

Ein besonderes Kapitel fränkischen Dorflebens soll nicht unerwähnt bleiben:

Fast kann man sagen, daß durch alle Jahrhunderte hindurch, vor allem aber im "finsteren" Mittelalter, Schenkungen in großem Um-fang insbesondere an Klöster erfolgt sind, die wir in unserer ego-zentrischen Zeit heute kaum noch verstehen. Hier nur einige Bei-spiele:

1103:
Güterschenkung in Ostfranken an das Kloster Hirsau; un-ter den Orten, aus denen Gütter geschenkt wurden: Argirsheim (= Ergersheim)!

1108:
Die Freie Heriwic und ihr Sohn Eberwin schenken dem Kloster St.Stephan in Würzburg u.a. 10 Mansen in Ergersheim, die der Heriwic noch verbleiben sollen, solange sie am Leben ist;

1135:
Encger schenkt dem Kloster St. Stephan bei seinem Eintritt in dasselbe sein Gut in Ergersheim;

1255:
Lupold von Nordenberg, Reichsküchenmeister, gibt bekannt, dass er Seelgerät stiften will, welches unter anderem mit Gütern aus Ergersheim ausgestattet sein soll;

1278:
Otto Pistor in Rothenburg und seine Frau Hedewigis vermachen dem Dominikanerkloster zu ihrem Seelenheil nach ihrem Tode ein Gut im Dorf Ergersheim;

1317:
Die Schoder-Seelenmesse in der Pfarrkirche zu Windsheim ist u.a. mit Gilten aus Ergersheim ausgestattet;

1336:
Kunigunde Knöttin von Winßheim stiftet dem Franziskanerkloster in Rothenburg eine Gült aus einem Gut zu Ergersheim.

Solche u.ä. Urkunden könnten fast endlos aufgezählt werden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der in Würzburg tätige Notar Gotfridus zu Ergersheim zahlreiche Schenkungen beurkundet hat, so z.B. die der Eheleute Conradus und Husa über ein ewiges Licht und 3 Joch Weinwachs in Würzburg und Ebrach. „Das ewige Licht soll von den Einkünften aus diesen Weinbergen auf ewige Zeiten unterhalten werden und Tag und Nacht in der Kirche des Spitals brennen. Nach dem Tode der Eheleute fallen die Weinberge an das Spital. Die Eheleute geloben Einhaltung der Schenkung und den Verzicht auf alle Rechtsmittel dagegen."
(Urkundenbuch des Bürgerspitals Würzburg Nr.26, 1335)

War es die Sorge um das Jenseits, Frömmigkeit, Wohlhabenheit oder eine Mischung aus alledem, was die Bürger zu solchen Schenkungen bewegte ?

Dazu ein Beispiel: Bischof Manegoldus von Würzburg gewährte nach einer Urkunde aus dem Jahre 1292 allen, die an den kirchlichen Festen teilnehmen oder das Spital des hl. Geistes in Rothenburg durch Spenden unterstützen, einen Ablaß von 40 Tagen für schwere und 1 Jahr für läßliche Sünden – die Reformation ließ al-lerdings noch über 200 Jahre auf sich warten !

Oft war mit den Schenkungen eine Art Leibgeding verbunden, wo-nach Klöster und Spitäler für den lebenslangen Unterhalt der Stifter zu sorgen hatten. Also doch nicht ganz so uneigennützig, anderer-seits aber hoch modern, wenn man die heutigen Forderungen nach einer privaten Altersvorsorge bedenkt. Und dies offenbar ohne obrigkeitliche Vorschriften, welche heute nicht selten die Eigen-initiative und Selbstverantwortung lähmen. Man denke nur an mo-derne Hofübergaben, wenn in den Verträgen nicht mehr wie früher die „Wart und Pflege“ für die älteren Leute geregelt wird, weil man Angst hat dadurch den Rechtsanspruch auf Sozialhilfe zu verlieren.